Medizinisch sinnvoll, aber ethisch sensibel: vorgeburtliche genetische Bluttests

Im Rahmen der Orientierungsdebatte im Deutschen Bundestag befürwortet Andrew Ullmann die Ersetzung der gefährlicheren Fruchtwasseruntersuchung durch die risikoärmeren vorgeburtlichen Bluttests. Aus medizinischer und politischer Sicht sieht er Vorteile. Er verweist darauf, die Debatte um den vorgeburtlichen Bluttest nicht zur Stellvertreterdebatte um den § 218 zu machen. Er wendet sich gegen moralische Verurteilung jedweder Art und hält jedes Menschenleben für wertvoll.


Die rein medizinische Debatte ist für mich, ob wir einen risikoreichen Test durch einen nahezu gefahrlosen ersetzen und ob die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Als Arzt ist die Antwort darauf klar: Ja, der vorgeburtliche Bluttest ist die sichere und mithin bessere Variante. Deshalb befürworte ich dies auch politisch. 


Die Debatte um die soziale Ungerechtigkeit ist für mich ebenfalls klar zu beantworten: Es kann nicht sein, dass der risikoärmere vorgeburtliche Bluttest privat bezahlt werden muss. Das führt zu sozialen Ungerechtigkeiten, weil die finanzielle Hürde zu hoch sein kann. Dann würde aus Kostengründen der gefährlichere Test durchgeführt. Das kann und darf nicht sein, weil sonst sowohl Embryo als auch Mutter einem unnötigen Risiko ausgesetzt werden. Auch aus diesem Grund befürworte ich als Politiker den vorgeburtlichen Bluttest. 


Schwierig ist die Debatte aus sozial-ethischer Sicht. Häufig wird hier eine Stellvertreter-Debatte zum § 218 geführt. Darum geht es aber nicht. Die zentrale Frage ist vielmehr, ob der Test dazu führt, dass mehr Frauen die Schwangerschaft abbrechen und eventuell moralischer Druck in Richtung einer bestimmten Entscheidung ausgeübt wird. Als liberaler Politiker bin ich der Meinung, dass wir als Gesellschaft Beratungsangebote und psychosoziale Betreuung zur Verfügung stellen müssen. Aber die Entscheidung kann nur bei der Frau beziehungsweise dem Paar liegen. Diese haben das Recht zu wissen – oder eben auch nicht zu wissen. Der Erkenntniswunsch und letztlich das Wissen durch den vorgeburtlichen Bluttest gibt den Paaren Sicherheit. Wir als Gesellschaft haben dann wiederum die Verantwortung, keine moralischen Urteile zu fällen, aber im Sinne der Inklusion zu zeigen, dass jedes Kind willkommen und jeder Mensch wertvoll ist. 

 
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