Globale Gesundheitsversorgung: Bundesregierung fehlt Strategie!


  • Bundesregierung scheitert an der globalen Gesundheitskrise.

  • Rückschlag im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten.

  • Potenzial von One Health-Ansatz wird nicht ausgeschöpft.


Die COVID-19 Krise stellt die Welt vor neue gesundheitliche Herausforderungen. Die Reaktion darauf erfordert ein koordiniertes und strategisches Vorgehen, das der Bundesregierung fehlt. Das zeigt ihre Antwort auf die kleine Anfrage zu den „Maßnahmen der Bundesregierung zur Sicherung der globalen Gesundheitsversorgung und Ernährungssicherheit.

Prof. Dr. Andrew Ullmann (stellvertretender Vorsitzender des Unterausschusses für globale Gesundheit) zur Antwort der Bundesregierung: „Die COVID-19 Krise beherrscht die gesundheitspolitische Agenda und verändert Prioritäten. Das darf nicht dazu führen, dass der Kampf gegen andere drängende Gesundheitsprobleme vernachlässigt wird. Wir laufen Gefahr, dass hart errungene Erfolge in nur kürzester Zeit zunichte gemacht werden. Eine Gesundheitskrise darf nicht zig weitere verursachen. Das können wir uns schlichtweg nicht leisten! Um dies zu verhindern braucht es ein strategisches Vorgehen auf allen Ebenen. Daran scheitert die Bundesregierung.“ Jens Beeck (Berichterstatter für globale Gesundheit im Ausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ergänzt: "Schon vor der Corona-Krise war der Zugang zu medizinischer Versorgung in vielen Entwicklungsländern mangelhaft. Die Pandemie zeigt uns, wie zerbrechlich errungene Erfolge in Ländern des globalen Südens sind. Es müssen endlich die richtigen Weichen für eine echte internationale Zusammenarbeit gestellt werden: wirksamer und krisensicherer globaler Gesundheitsschutz unter dem Dach einer starken und transparenten WHO. Entscheidend ist eine grundsätzliche Stärkung der Gesundheitsinfrastruktur auch in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt, um internationalen Gesundheitskrisen umfassend begegnen zu können."

Rückschlag für den Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten Die COVID-19-Pandemie gefährdet den Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs) - und das in einem Jahr, das mit der Erneuerung der Roadmap der WHO zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten und der London Declaration im Zeichen der NTD-Bekämpfung stehen sollte. Till Mansmann (FDP-Bundestagsabgeordneter): „Die Argumentation der Bundesregierung sieht einerseits eine Unterbrechung der Lieferketten von Pharmazeutika und Arzneimitteln, die essenziell für die Behandlung von NTDs sind, aufgrund von COVID-19 vor, andererseits erkennt sie aber die Chance der NTD-Programme, COVID-19 zu bekämpfen. Diese Positionierung ist widersprüchlich und behindert dadurch den Ausbau der globalen Gesundheitsarchitektur.“ Ullmann: „Jeder siebte Mensch auf der Welt ist von den Rückschlägen im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten betroffen. Sie werden vor neue unüberwindbare Herausforderungen gestellt. Für rund eine halbe Million Menschen jährlich sind NTDs die Todesursache. Wir müssen davon ausgehen, dass die Fallzahlen nun extrem steigen werden. Die Bundesregierung hat zwar die Notwendigkeit der Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten erkannt, dennoch ist ihr Engagement überschaubar. Sie duckt sich in ihrer Antwort weg und verstrickt sich in Widersprüche. Ihre Mini-Maßnahmen helfen keinem! Die Bundesregierung muss endlich mehr liefern! Denn mit Programmen zur Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten werden nicht nur einzelne Krankheiten bekämpft, sondern sie liefern gleichzeitig eine wichtige Infrastruktur zum Kampf gegen die COVID-19-Pandemie.“

Dem One Health-Ansatz gerecht werden Mansmann: „Aus der Antwort der Bundesregierung wird ersichtlich, dass die Bundesregierung den One-Health-Ansatz allein zum Zweck der Pandemiebekämpfung nutzt. Das wird dem One-Health-Ansatz in keiner Weise gerecht. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe im BMZ zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (AMR) lediglich für den Austausch zu errichten, ist schlicht zu wenig. Die Erkenntnisse aus der speziell eingerichteten Arbeitsgruppe müssen sich in politischen Handlungsmaßnahmen widerspiegeln. Dafür bedarf es einer deutlich ambitionierteren Zielsetzung.“ Ullmann: „Erschreckend ist, dass die Bundesregierung das umfassende Potenzial des One-Health-Ansatzes immer noch nicht erkannt hat. Wichtige Entwicklungsziele bleiben damit unterbelichtet. Das zeigt die neue globale Gesundheitsstrategie der Bundesregierung eindeutig. Ohnehin gleicht sie mehr einer Bestandsaufnahme als einer visionären Strategie. Es fehlen ganz klar konkrete Zielformulierung, Zeithorizonte und ein Umsetzungsplan. Damit wird Deutschland nichts in der globalen Gesundheit bewirken!“

 
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