Einsamkeit - politisches Handeln ist notwendig

Das Thema muss endlich angegangen werden und braucht eine eindeutige Zuständigkeit! Die Antwort der Bundesregierung zeigt, dass es diese nicht gibt und dass das Thema deshalb nicht konzertiert angegangen wird. Offenbar ist man sich nicht einig, ob Einsamkeit ein gesamtgesellschaftliches Problem ist oder doch nur das subjektive Wohlbefinden älterer Menschen betrifft. Deshalb ist man sich auch nicht im Klaren, welche gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen Einsamkeit hat und es besteht offenbar auch nicht die Absicht, eine Folgenabschätzung einzuleiten. 

Was ich in der Antwort vor allem sehe: Die Bundesregierung ist blank, wenn es um die Einsamkeit junger Menschen geht. Es geht ihr vor allem um ältere Menschen. Das mag der Wählerstruktur von CDU/CSU und SPD entsprechen, aber Einsamkeit ist ein Zukunftsthema und kann jeden betreffen. Wir sollten nicht so naiv sein zu glauben, dass radikale Umwälzungen wie die Digitalisierung sich nicht auf der psychosozialen Ebene auswirken.

Es reicht nicht, dass wir die Verträge für Generationenhäuser verlängern. Es reicht auch nicht auf ein Konvolut an Einzelprojekte hinzuweisen. Wir brauchen eine Strategie zur Bekämpfung der Einsamkeit. Dazu gehören innovative Wohn- und Mobilitätskonzepte. Dazu gehört die Förderung von Gesundheitskompetenz. Dazu gehört für mich aber auch, dass wir die psychosozialen Faktoren als Teil der personalisierten Medizin einbeziehen müssen.

Aus meiner Sicht brauchen wir zunächst einmal dringend eine Expertenkommission, die das Thema wissenschaftlich evaluiert und Empfehlungen vorlegt. Ein Beauftragter für Einsamkeit, wie es Herr Lauterbach fordert, würde gar nichts bringen und wäre reine Symbolpolitik, weil die Bundesregierung nicht einmal weiß, wie sie das Thema überhaupt einsortieren soll.

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