Einführung einer COVID-19-Immunitätsbescheinigungen ist verantwortungslos

Der Ethikrat rät derzeit angesichts des medizinisch, naturwissenschaftlichen Sachstandes und der vielen Unsicherheiten von der Einführung des Immunitätsausweises in der COVID-19-Pandemie ab – eine Entscheidung, die ich absolut befürworte. Ein Immunitätsausweis löst nicht die Herausforderungen einer Pandemie, sondern schafft neue. Einerseits schafft er falsche Anreize. Denn der Immunitätsausweis könnte dazu führen, dass sich Menschen absichtlich infizieren, um entsprechende Antikörper zu entwickeln, auf die Gefahr hin schwer zu erkranken. Andererseits wird durch den Immunitätsausweis eine Zweiklassengesellschaft geschaffen, mit Menschen, die alles dürfen und wiederum anderen, die Beschränkungen in Kauf nehmen müssen. In angespannten Krisenzeiten kann eine derartige Destabilisierung des Gemeinschaftsgefühls wohl kaum zweckmäßig sein. Dazu kommt, dass wir noch nicht ausreichend wissen wie die Immunität bei COVID-19 funktioniert. Wir wissen nämlich nicht sicher wie lange eine Immunität anhält bzw. ausreichend ist, welche Antikörperkonzentrationen die richtigen sind oder ob gar andere Immunparameter wichtiger sein könnten. 

Eine Einführung des Immunitätsausweises wäre daher aus gesellschaftlichen, sozialen und medizinischen Gründen schlichtweg verantwortungslos. Und auch in Zukunft, wenn sich der medizinische Sachstand zur Immunität nach einer Infektion klärt, sollten wir von solch einem Instrument absehen und auf andere Maßnahmen setzen. Allen voran brauchen wir eine nachvollziehbare Teststrategie, um vor allem vulnerable Bevölkerungsgruppen zu schützen.  

Wir haben in den letzten Monaten viel über das Virus gelernt. Nun müssen wir endlich intelligenter sein als das Virus.

 
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