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Drohender Rückfall in ein prä-antibiotisches Zeitalter


Die Antwort der Bundesregierung zeigt mehrere besorgniserregende Umstände. Die Gefahr besteht, dass die globale Gesundheitsversorgung in ein prä-antibiotisches Zeitalter zurückfällt. Die Auswirkungen wären katastrophal. Zwar ist es erfreulich, dass die Zahl der Infektionen mit dem Krankenhaus-Killerkeim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) zurückgeht, aber leider steigt dafür die Entwicklung von resistenten Darmkeimen, Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE). Positiv zu verzeichnen ist, dass der Einsatz von Antibiotika bei Nutz- und Haustieren generell abnimmt, aber leider steigt der Verbrauch von so genannten Panzerschrank- oder Reserveantibiotika gerade im Bereich der Masthühner an. In diesem Bereich ist auch eine besorgniserregende Vermehrung von multiresistentenE. coli-Bakterien in der Lebensmittelkette von Putenfleisch nachzuweisen.  

Statement Andrew Ullmann: "Die Antwort der Bundesregierung freut und schockiert mich zugleich. Es freut mich, dass die Zahlen im Antibiotikaverbrauch allgemein nach unten zeigen. Allerdings schockiert mich die Bundesregierung mit ihrer Unkenntnis und teilweise auch Tatenlosigkeit. 

 Für mich ist ganz klar, dass wir den One-Health-Ansatz viel mehr in den Vordergrund rücken müssen. Zudem muss die Fachkompetenz in den Krankenhäusern gesteigert werden. Dort braucht es festangestellte Hygienefachkräfte - und zwar flächendeckend. Zudem brauchen wir endlich bundesweit den Facharzt für Infektiologie. Hier ist nicht nur die Bundesregierung gefragt, sondern auch und vor allem die Bundesärztekammer. 

 Schlicht bedauerlich ist, dass die Bundesregierung keinerlei Kenntnis über den Behandlungsaufwand für Menschen mit Besiedlung von multiresistenten Bakterien hat. Hier stellt sich für mich die Frage, auf welcher Grundlage die Entscheidungen bei solch einem gravierenden Problem getroffen werden und ob es im Bundesministerium für Gesundheit keinen interessiert, wie hoch der Aufwand und die Kosten sind. Auf diese Weise wird der Kostendruck im Gesundheitswesen weiter verstärkt und die Versorgung der Menschen weiter verschlechtert. Aus meiner Sicht kann nur ein gemeinsamer und verbesserter Ansatz zur Bekämpfung von Multiresistenz der richtige Weg sein, unsere Gesellschaft nicht in ein prä-antibiotisches Zeitalter zurückfallen zu lassen."